wahlbeteiligung 96%
die großen forderungen der liberalen bewegung des 19. jahrhunderts waren nationale einheit und parlamentarismus. würde man diesen menschen sagen, dass wir heute, bei freien, geheimen, allgemeinen, unmittelbaren und gleichen wahlen nur noch beteiligungen von weniger als 75% haben, teilweise sogar gegen 50% gehend, ich vermute sie würden uns für vollidioten halten! das wahlrecht in deutschland gibt es gerade mal seit 1867, damals noch ohne frauen, dafür mit diskriminierenden einschränkungen wie dem dreiklassenwahlrecht in preußen. frauen dürfen seit 1919 wählen, daneben schaffte die weimarer verfassung auch die bevorteilungen einiger bevölkerungsgruppen ab. trotz dieser kurzen parlamentarischen geschichte scheint vielen menschen ihr wahlrecht nicht sonderlich wichtig, vermutlich bis man es ihnen abnimmt.
das problem ist, wenn wahlbeteiligungen immer weiter sinken, dann bekommen kleine gruppen immer wachsenden einfluss: stellen wir uns eine gruppe von 4% der bevölkerung vor, welche eine sehr gute wahlmobilisierung hat. bei voller wahlbeteiligung kriegen sie ihre 4%, kommen nicht über die 5%-klausel und sind nicht im parlament. bei einer wahlbeteiligung von nur 50% hat diese gruppe aber direkt mal 8% der abgegebenen stimmen, sie sind im parlament und haben sogar eine stärke welche fdp und grüne in manchen wahlen auch gerne hätten. genau, dieses rechenbeispiel stellt das dar, was immer wieder gerne mal als “wer nicht wählt, wählt rechts” oder “wer nicht wählt, wählt die linken” verkürzt wurde – auch wenn die wahrheit halt einfach “wer nicht wählt, stärkt gut mobilisierende parteien” wäre. ich denke dies sollte, und kann, nicht unser ziel sein!
die frage ist, welche vorteile und welche nachteile würden bei einer einführung der wahlpflicht für uns entstehen: klar, die pflicht wäre zwang, aber seien wir mal ehrlich, wählen gehen dauert vielleicht ne halbe stunde und ist auch eher selten. da waren meine 12 monate zvildienst hundertpro mehr zwang, mehr eingriff in meine lebensplanung! dafür kriegt jede partei wirklich die stimmen, welche sie bei der gesamten bevölkerung behaupten kann – und nicht die derer die wählen gehen. defintiv ein positiver effekt! einzig negativ wäre, dass auch “politisch ungebildete” wählen gehen, und entsprechend könnten parteien mit einfachen heilsversprechen in dieser klientel einiges an stimmen erringen, auch ohne sinnvolles programm. aber vielleicht interessiert sich ja plötzlich der eine oder andere mehr für politik – und das wäre ja wohl ein großartiger erfolg!
ich denke, die eindeutigen und möglichen vorteile einer solchen einführung überwiegen bei weitem – los spd, cdu, fdp und grüne, probieren wir den schritt doch mal!




vor circa 3 jahren
stimm ich dir vollständig zu!
vor circa 3 jahren
toll, irgendiwe ist die hälfte des beitrages weg! scheinbar hat die datenbank nen kleinen knacks! und natürlich wenn ich das wochenende auf nem meeting der firma bin – danke datenbank!
aber ist ja nicht so, dass ich den teil nicht kurz hätte neu schreiben können!