britannica & ich
was dem deutschen sein brockhaus ist, ist im englischsprachigen raum die encyclopædia britannica – das lexikon mit dem anspruch, das wissen der welt möglichst in vollem umfang darzustellen. in zeiten vor wikipedia und google war ein solches nachschlagewerk defintiv ein unglaublicher schatz gesammelten wissens. gleichzeitig leben wir in einer zeit, in welcher spezialisierung immer weiter vorranschreitet, universalwissenschaftler wie johann wolfgang von goethe sind heute weder vorhanden, noch gefragt. britannica und brockhaus sind eigentlich nur als nachschlagewerk nutzbar, es gibt keinen menschen mehr der ihr wissen komplett verinnerlicht hat!
oder gibt es ihn doch? a.j. jacobs beschreibt in einem hoch unterhaltsamen buch seinen versuch, genau dies zu tun, die britannica von a bis z komplett durchzulesen! das buch ist alphabetisch aufgeteilt, wir gehen den weg des autors anhand seiner kommentare zu einigen besonders bemerkenswerten einträgen nach. daneben lernen wir ihn und seine familie kennen, wir bekommen hinweise darauf dass er dieses unterfangen macht um seinem (ihm an intelligenz überlegenen) vater etwas zu beweisen, wir erfahren von den versuchen mit seiner frau einen nachfahren zu zeugen und wie sie versuchen sich historische fruchtbarkeitsgötter und -riten zunutze zu machen, wir hören von seinen versuchen bei jeopardy und ähnlichen quizshows geld aus seinem wissen zu machen….
dabei lernt der leser einen mann kennen, welcher seine ganz natürlichen schwächen hat: sein selbstbewustsein ist nicht immer das beste, was er durch (teilweise an arroganz grenzende) besserwisserei versucht zu tarnen. er ist pessimistisch, hofft aber dass er sein leben nicht einfach überlebt, sondern etwas sinnvolles daraus zu machen – und wenn es nur der (unmögliche?) versuch, ein universalgelehrter zu werden, seinem leben einen sinn gibt. vielleicht geht es nur mir so, aber ich erkenne in der (überspitzten) charakterdarstellung einen teil von mir wieder – auch wenn es teilweise schmerzt!



