ostpolitik mit dem knie
nach der etablierung zweier deutscher staaten nach dem verlorenen zweiten weltkrieg beanspruchte nur einer der beiden staaten die rechtsnachfolge des deutschen reiches (eigentlich sogar völkerrechtlich identisch mit dem deutschen reich zu sein), und das war die bundesrepublik. zündstoff aber war eine andere forderung des westens, und das war der alleinvertretungsanspruch! die bundesrepublik erkannte den deutschen staat in der sbz, der sowjetisch besetzten zone, nicht an – und forderte dass dies auch kein anderer staat der erde tue, oder zumindest keiner aus der westlichen welt! und man versuchte auch, dieser schwierigen forderung etwas nachdruck zu verleihen – nämlich mit der hallstein-doktrin, laut welcher die anerkennung der ddr als ein unfreundlicher akt gegen die bundesrepublik angesehen wurde und (zumeist) mit dem abbruch der diplomatische beziehungen durch die brd beantwortet wurde, einzige ausnahme war die sowjetunion. solange die cdu die regierung führte blieb diese ausrichtung die bestimmende der westlichen deutschlandpolitik, und ob sie erfolge verbuchen konnte oder ob sie komplett kontraproduktiv war ist schwierig einzuschätzen, unbestritten aber ist dass mit dieser haltung eine annäherung zwischen den deutschen staaten, und damit auch eine wiedervereinigung deutschlands, unmöglich war!
seit 1990 sind wir aber wiedervereinigt, und da das ohne krieg abgelaufen ist muss sich wohl was geändert haben! und für diese änderung stehen zwei namen: egon bahr und willy brandt (geboren als herbert ernst karl frahm)! egon bahr hatte mit dem konzept “wandel durch annäherung” die grundlage geschaffen für das, was mit willy brandt als kanzler dann die “neue ostpolitik” wurde: die bundesrepublik nahm endlich den anderen deutschen staat wahr, und begann mit diesem zu interagieren. 1970 begann dieser prozess mit den moskauer und warschauer verträgen, in welchem die bundesrepublik und die sowjetunion, bzw polen, sich der friedlichen beilegung ihrer konflikte versicherten, und die bundesrepublik erkannte die oder-neiße-linie als ostgrenze deutschlands an, verzichtete also auf die eh verlorenen ostgebiete – ein diplomatisch schwieriger weg, immerhin erkannte hier ein staat eine grenze an, an der er gar keinen anteil hatte! und das gezeter der konservativen kann man sich ja vorstellen – “wegschenken deutscher gebiete” und schlimmeres war zu hören!
über den umweg moskau und warschau also begann die annäherung der beiden deutschen staaten, welche mit dem grundlagenvertrag endlich zu einem geregelten nebeneinander führte – ständige vertreter wurden ausgetauscht als de facto diplomatische vertretung, zusammenarbeit für zahlreiche gebiete wurde vereinbart, man legte sich auf friedliche konfliktlösung fest,… es wurde der erste schritt gemacht in richtung deutsche wiedervereinigung! die bundesrepublik zeigte nach den verbrechen des zweiten weltkrieges endlich “ein deutschland, vor welchem man keine angst mehr haben muss” – und ein bild symbolisiert dieses neue deutschland wie kein zweites: der kniefall von warschau, dass der deutsche kanzler vor dem ehrenmahl des jüdischen ghettos nicht nur einen kranz niederlegte, sondern selbst niederkniete! da mögen die cdu und ihre gesinnungspresse von “demutsakt gegenüber dem warschauer pakt” geschrien haben, die geschichte hat sie lügen gestraft!





vor circa 11 monaten
allein wegen dieser Geste, zählt Willy Brandt für mich zu den großen Politikern. Ich bin 1944 geboren und schäme mich zu sagen das ich Deutsche bin, heute noch und sicher! bis zum Ende meines Lebens.