deutsche kolonien – kiautschou

nach der halbzeit gehen wir mit folge fünf der serie wieder zurück zum pazifik, nur diesmal nördlicher, nämlich nach china, oder genau gesagt dem von china für 99 jahre gepachteten kiautschou. nachdem die briten ab 1839 mit den opiumkriegen china für den westlichen handel geöffnet hatte, entstand in deutschland der wunsch in china sowohl einen eigenen handelsplatz zu haben, als auch einen flottenstützpunkt. die 99jährige britische pacht von hongkongs von china ab 1898 ist weithin bekannt, dass ab dem selben jahr ebenfalls für diesen zeitraum von deutschland gepachtete kiautschou ist dagegen wenig bekannt, obwohl die geschichte ähnlich ist. wie hongkong wurde auch die deutsche kolonie erst militärisch erobert, und nachträglich dann von china gepachtet.
das deutsche kiautschou, mit seiner hauptstadt tsingtao, welches bis dahin ein einfaches fischerdorf gewesen war, sollte von anfang an als musterkolonie dienen, die effizienz der deutschen kolonialverwaltung sollte hier gezeigt werden, zugleich sollte von anfang an die stadt als stützpunkt des deutschen ostasiengeschwaders dienen. im gegensatz zu den anderen deutschen schutzgebieten war kiautschou nicht als wirtschaftsstandort gedacht, seine bedeutung hatte der hafen als umschlagspunkt der produkte und rohstoffe des chinesischen hinterlandes, dies allerdings nicht in dem maße wie man erhofft hatte – die deutschen investitionen in das gebiet überstiegen bei weitem die erträge der kolonie. aber sie entwickelte sich zu einer stadt, einer der modernsten ganz chinas nebenbei.
das in der kolonie stationierte ostasiengeschwader, hauptsächlich aus kreuzern und noch kleineren schiffen bestehend, war hauptsächlich dazu gedacht als druckmittel deutscher kanonenboot-diplomatie zu dienen, im kriegsfall wäre es nur zum sogenannten kreuzerkrieg fähig gewesen, also die feindlichen seehandelswege zu stören. betrachtet man aber die (schwankende) stärke des geschwaders, und vergleicht damit das einsatzgebiet von der afrikanischen ostküste bis zur südamerikanischen westküste, wird einem schnell klar, mehr als ein winziges signal deutschlands nun auch im fernen osten präsent sein zu wollen war das geschwader nicht.
zu beginn des weltkrieges war die kolonie mit 4800 soldaten gesichert, welche ab september 1914 gegen britische und japanische invasionsversuche und eine blockade der kolonie zu kämpfen hatten. das ostasiengeschwader unter graf von spee versuchte, nach kleinen kämpfen im pazifik, sich über den atlantik nach deutschland durchzuschlagen, aber alle schiffe des geschwaders wurden entweder von den briten versenkt oder zur selbstversenkung gezwungen. das einzige schiff des geschwaders, welches den krieg überstand war das versorgungsschiff seydlitz, welches ab 1915 in argentinien interniert war. der kampf um die kolonie ging bis november 1914, mehrere alliierte sturmangriffe konnten abgewehrt werden. bei den kämpfen machte sich vor allem gunther plüschow einen namen als “der flieger von tsingtau”, welcher aufklärungsflüge flog und sogar einen luftkampf gegen ein japanisches flugzeug gewann (der kampf wurde mit pistolen geführt). kurz bevor am 7. november die deutschen truppen des schutzgebietes ehrenhaft kapitulierten, da ihre munition ausging, erhielt plüschow den befehl mit wichigen dokumenten nach deutschland zu fliegen. obwohl zwischenzeitig von den briten gefangengenommen gelang ihm, nach der flucht aus dem gefangenenlager, deutschland zu erreichen. die anderen verteidiger der kolonie kamen in japanische kriegsgefangenschaft.
mit dem versailler vertrag ging kiautschou an japan, welche 1922 das gebiet an china zurückgaben. geblieben ist beispielsweise die tsingtao-brauerei, welche aus der 1903 gegründeten germania-brauerei entstand, und heute die größte chinesische brauerei ist!

wer weitere informationen sucht, interessante quellen sind bei wikipedia.de und deutsche-schutzgebiete.de zu finden!



