deutschland polen

schon vor monaten hatte ich einen beitrag über das verhältnis zwischen deutschland und frankreich geschrieben, von der “erbfeindschaft” bis zum heutigen engagement beider staaten für die europäische union. mir kam jetzt die idee, dies auch für andere staaten zu tun, welche einen wichtigen platz in der deutschen geschichte haben, und das sind aufgrund der zentralen lage deutschlands in europa natürlich einige. und eine nation, welche häufig erwähnung in der deutschen geschichte findet, ist die polnische!

wappen polen-litauen

polen wurde im 10. jahrhundert als herzogtum gegründet, und 1025 wurde es mit der krönung boleslaw I 1025 zum königreich. zu diesem zeitpunkt waren die slawischen stämme im gebiet des heutigen polens bereits unterworfen, und polen pflegte auch schon gute beziehungen zum heiligen römischen reich deutscher nation, politisch wie militärisch. zwischen dem 12. und 14 jahrhundert zerfiel polen erst einmal wieder , in mehrere herzögtümer, und es gingen einige landesteile verloren, beispielsweise schlesien an böhmen. kurz nach der wiedervereinigung, schon 1386 entstand eine personalunion mit litauen, und lange war polen-litauen einer der führenden staaten mittel- und osteuropas. 1569 wurde aus der personalunion eine reale, gleichzeitig wurde der staat eine adelsrepublik mit einem reichstag, bei welchem immerhin die 8-12% adel die politik beeinflussen konnten. man sollte meinen damit würde polen seine machtstellung noch weiter ausbauen können, aber das gegenteil ist der fall: im 17. und 18. jahrhundert ging die polnische position durch innere zerrissenheit und mehrere verlorene kriege gegen starke nachbarn wie russland, schweden, osmanen oder brandenburg-preußen immer mehr unter, glorreiche polnische feldzüge wie die rettung wiens bei der zweiten wiener türkenbelagerung 1683 durch könig jan sobieski und seinen hussaria mit ihren aufälligen flügelrüstungen waren sehr selten. dies führte zu zwei dingen: zum einen der ersten teilung polens 1772 und der verfassung vom 3.mai 1791.

teilungen polens

russland, preußen und österreich entschieden 1772 sich teile polens einzuverleiben, und durch einen bürgerkrieg war polen militärisch nicht in der lage diesen forderungen etwas entgegenzusetzen – selbst ohne den bürgerkrieg aber wäre eine solche allianz gegen polen wohl nicht militärisch zu schlagen gewesen für die polen. durch die verkleinerung aber wurde polen in die lage versetzt, durch starke reformen wieder aktionsfähig zu werden – die reformen fanden ihren ausdruck in der verfassung von 1791, aber auch wenn es die zweite moderne verfassung der erde war (nach amerika, vor frankreich), der trend war so schnell nicht aufzuhalten! die weiteren teilungen polens 1793 und 1795 waren polens ende. auch der wiener kongress 1814/15, nach der niederlage napoleons brachte keine wirkliche besserung, nur ein teil polens bestand (in personalunion mit russland) wieder. erst nach dem ersten weltkrieg entstand wieder ein freies polen, die zweite republik polen! aber auch diese hielt gerade mal bis zum zweiten weltkrieg, diesmal teilten sich deutschland und russland polen auf! in diesem zweiten weltkrieg kämpften polen nicht nur als partisanen gegen deutschland, in den truppen der alliierten standen polen an jeder front. der warschauer aufstand der polnischen heimatarmee war der größte seiner art im zweiten weltkrieg, und wenn die russen weitermarschiert wären hätten die polen auch den erfolg gehabt, ihre hauptstadt selbst befreit zu haben. so wurde der aufstand von der deutschen wehrmacht brutalst niedergeschlagen, man schätzt 180000 bis 250000 tote!

kniefall brandt

nach dem zweiten weltkrieg wurde polen wieder eine gestalt gegeben, nur hatte russland die grenzen “etwas” nach westen verlegen lassen, und die volksrepublik polen war nun ein vasallenstaat der sowjetunion. bis zu diesem zeitpunkt kam, abgesehen von den anfängen polens, aus deutscher richtung eigentlich hauptsächlich invasionstruppen, und erst mit willy brandt und seiner neuen ostpolitik sollte sich das wirklich ändern! brandt sah polen zum einen als opfer der deutschen im zweiten weltkrieg, zum anderen aber auch als verhandlungspartner. und wenn auch in einer umfrage 48% der westdeutschen 1970 brandts kniefall vor dem ehrenmal des warschauer ghettos für übertrieben hielten, es kann heute niemand bestreiten dass diese geste das ansehen deutschlands in der welt stark verbesserte, genau wie brandts ostpolitik inzwischen unbestritten die grundlage legte für ein verbessertes verhältnis westdeutschlands zu den staaten des warschauer paktes. auch wenn die anerkennung der oder-neiße-linie ein etwas merkwürdiger schritt war – normalerweise erkennt ein land nicht eine grenze an, welche nicht ein der ihren ist, es war ein notwendiger (und großer) schritt zur wiedervereinigung deutschlands!

seit eben dieser, und dem gleichzeitigen zerfall des sowjetischen staats- und vasallensystem, kann polen endlich wieder einen eigenen politischen weg gehen, und wirtschaftlich von seiner guten position zwischen dem wirtschaftlichen starken deutschland und dem wirtschaftlich aufsteigenden russland profitieren. und auch wenn polen nicht ganz den politischen weg einschlägt, den ich mir persönlich wünschen würde, es ist ihr gutes recht sich politisch weniger an europa und mehr an die usa anzulehnen – bleibt uns nur die hoffnung dass sich dies durch den immer stärkeren austausch auf allen ebenen mit deutschland ebenso ändert wie die gesellschaft polens. denn wie ich von einer ehemaligen studentin der viadrina erfahren durfte ist beispielsweise das rollenverhältnis zwischen den geschlechtern in polen noch traditioneller geprägt ist als bei uns in westeuropa.

hoffen wir das beste – es wird schon werden. auf gute nachbarschaft!