musik meiner jugendam dritten tag geht es heute zurück nach deutschland, und es wird massiv härter – und politischer. ähnlich wie bei alice cooper gestern stand ich auch 1992 in dem selben plattenladen und suchte etwas möglichst rebellisches. nach einem schnellen durchsuchen des sortiments standen zwei cds zur auswahl, welche den rebellionsgrad anzubieten schienen, den ein 16jähriger sucht – die eine kam aus dem bereich rap (ich glaube es war rundmc, und ich will gar nicht wissen wie ich heute drauf wäre hätte ich die gekauft und sie hätte mir gefallen) oder deutscher politpunk! wenn es um politpunk ging hatte deutschland in den 80ern/90ern einiges anzubieten: die goldenen zitronen, daily terror, wizo, heiter bis wolkig, … aber nur eine band kann als definitive “mutter” des deutschen politpunks bezeichnet werden:

slime

slimeund genau von dieser band erstand ich das album “yankees raus“! in der nachbetrachtung bestimmt nicht ihr bestes album, aber als ich die cd zuhause einlegte und zuerst jimihendrixmäßig die amihymne persifliert wurde und textstellen wie “tausende von menschen, männer frauen und kinder, zerfetzt von napalm in vietnam; tausende von menschen, rote und schwarze, gejagt und getötet vom ku-klux-klan – usa – das blut fliesst aus ihnen, jeden tag” hört wusste ich dass ich (fürs erste) angekommen war. mehr rebellion als slime war kaum möglich: gegen amerika, gegen nazis, gegen die bullen, gegen den staat… und das ganze immer auf die ganz harte tour. auf der indizierten “slime I” die textstelle “baader meinhoff hingerichtet im stammheimer kz, polizei sa ss, immer hilfsbereit und immer nett” im lied “polizei sa ss” sagt da wohl einiges.

allerdings muss man auch bei slime differenzieren, wenn eine band von 1979 bis 1985 und 1990 bis 1994 aktiv ist, immerhin ein zeitraum von 15 jahren zwischen gründung und endgültiger auflösung, kann man von einer entwicklung ausgehen, musikalisch wie textlich:  die ersten beiden alben, “slime I” und “yankees raus” sind musikalisch noch stark am britischen punk der 70er orientiert, die nachfolgende “alle gegen alle” geht mehr in richtung des amerikanischen hardcore, die (übrigens von rod (später bei die ärzte aktiv) produzierte) “viva la muerte” ist ruhiger und spielt mit anleihen aus dem metal und die letzte scheibe “schweineherbst” schliesst, meiner meinung nach, die entwicklung slime mit einem ruhigen, aber immer noch punkigen sound ab. auch textlich gibt es wandlungen, waren die texte anfangs noch oft plakativ und prollig, liefert slime auf der schweineherbst mit “goldene türme” ein lied ab, welches wohl als intellektuell bezeichnet werden könnte. was allerdings über alle alben gleich bleibt ist die politisch linke ausrichtung.

um diesem wandel rechnung zu tragen gibt es auch heute wieder zwei videos, das erste aus der frühen zeit, das zweite aus der endphase:


und als empfehlung:

slime-alle-gegen-alle