johnny cash american recordings

anfang juli hatte ich, auf der suche nach interessanten liedern von joe strummer, ein youtube-video gefunden, in welchem joe gemeinsam mit johnny cash den bob-marley-klassiker “redemption song” sang. zu diesem zeitpunkt kannte ich johnny cash nicht wirklich, klar war mir bekannt dass er countrysänger war, aber genauer hingehört hatte ich noch nicht – und von julia und marc wurde mir schnell klar gemacht dass dies eine wissenlücke wäre. als empfehlung für einen “erstkontakt” nannte man mir cashs american recordings – also hab ich mal in das erste album der serie reingehört. produziert wurde es übrigens von rick rubin, vor dessen mischpult sonst eher slayer, beastie boys, danzig, red hot chili peppers oder system of a down stehen, das klang ja zumindest mal ein wenig hoffnunggenerierend.
also auf zu den liedern selbst:
- delia´s gone
das lied handelt von einem mörder, der eine frau namens delia an einen stuhl fesselt und mit einer maschinenpistole erschiesst – etwas krank, aber zumindest nicht 08/15. dabei bleibt das lied extrem minimalistisch, an manchen stellen ist es schon fast monoton. klingt absolut nach lagerfeuer, wandergitarre und prärie. - let the train blow the whistle
musikalisch ein wenig facettenreicher als das lied zuvor, aber irgendwie sehe ich vor meinem inneren auge nur einen tramp allein an der offenen tür eines güterzugwagons sitzen und die leere der amerikanischen landschaft ansingen. und der inhalt ist zumindest ein wenig ähnlich, ein typ verkauft seine gitarre, kauft sich ein bahnticket und verlässt seine vergangenheit. - the beast in me
ok, das ist minimalistisch²! und langsam²! der gesang ist schon fast melodisch gesprochen, und die gitarrenakkorde erscheinen fast alle einzelgestellt. ein sehr düsteres lied, bei welchem cash über die böse seite in ihm “singt”. - drive on
textlich geht es diesmal um etwas ganz anderes, nämlich das amerikanische trauma: vietnam. cash lässt einen (imaginären?) freund namens whiskey sam von seinen erinnerungen an den kriegseinsatz und die psychischen folgen des krieges und der rückkehr ins zivile leben erzählen. musikalisch wieder etwas beschwingter, und nicht so düster wie der inhalt es vermuten lassen könnte. - why me lord
johnny cash ist ein religiöser mensch, und so geht es diesmal darum dass er gott fragt wie er, als armer sünder, es verdient hat zu haben und zu können was er hat und kann – na das dürfte im fundamentalistischen amerika doch prima ankommen. auch ist der schwung des letzten liedes wieder weg, es könnte glatt ein alter mann am lagerfeuer eines christlichen zeltlagers sein, also nicht wirklich ein lied für tobi. - thirteen
jetzt wirds ganz skurril: es geht um einen pechbehafteten typen, welcher nie einen namen bekommen hat, sondern 13 genannt wird und diese nummer auch in den nacken tätowiert hat – was willst du mir damit sagen herr cash? obwohl, geschrieben wurde das lied ja vom frontmann der hardrock/metall/irgendwasband danzig… - oh, bury me not
die meiste zeit ein gitarrenuntermaltes gebet, welches auch nicht ansatzweise gesungen wird, sondern wirklich nur gesprochen. im letzten drittel des liedes wird dann tatsächlich noch gesungen, aber auch hier klingt es die ganze zeit mehr nach countrygospel. sorry, langweilig! - bird on a wire
laaaangsam, und mit einer gequält klingenden stimme erklärt herr cash dass alles, was er falsch machte nur den zweck hatte sich frei zu fühlen, und nicht böse gemeint war. vielleicht muss man älter sein als ich um ein solches lied zu mögen. - tennesse stud
na das klingt jetzt so richtig nach country – aber es ist zumindest mal schneller. und auch wenn es immer wieder die qualitäten eines aus tennesse stammenden hengstes behandelt, nebenbei wird eine geschichte erzählt die sehr nach westernromantik klingt. und trotzdem, irgendwie macht das lied richtig spass – bisher das highlight des albums! - down there by the train
stellen wir uns eine mischung aus lied 2 und lied 7 vor – und hey wir sind bei diesem angekommen. monoton untermalt wird erzählt dass sünder und hoffnungslose sich züge anschauen an einer stelle wo diese langsam fahren müssen – und herr cash steht mitten unter ihnen. natürlich mit dabei sind judas iscariot und der römische soldat mit der lanze, ohne religiösen bezug wärs ja auch langweilig, oder? gähn! - redemption
für dieses album ein geradezu schnelles lied, und es geht zur abwechslung mal um… religion! zumindest teilweise, denn satan versucht herrn cash in seinen ketten zu halten, wird aber durchschaut und herr cash bekommt nicht benannte hilfe ihm zu widerstehen – vielleicht geht es herrn cash um seine alkoholsucht, aber langsam kann ich keine religösen bezüge mehr hören! - like a soldier
die geschwindigkeit wird gehalten, das als erstes positives. aber selbst der inhalt ist interessant: herr cash spürt dass sein leben sich dem ende entgegen bewegt, und betrachtet seine erinnerungen. und stellt fest dass dinge die ihm früher wichtig waren jetzt weniger gewicht haben, dass er an manche passagen keine erinnerungen hat, und andere lieber nicht hätte – aber dass jetzt “jeder tag besser ist als der vorherige”. gutes lied, es wird nicht mein lieblingslied, aber ich kann es mir gut anhören, gerne auch nochmal. - the man who couldn´t cry
etwas geschwindigkeit geht verloren, aber wir waren auf diesem album schon sehr viel langsamer, von daher geht es noch. aber der inhalt ist wieder etwas ungewöhnlicher: ein mann kann ab einem bestimmten punkt in seiner jugend nicht mehr weinen, und verliert danach alles. hund, frau, job, ein arm – alles weg, er kommt in den knast, wird untersucht, und man steckt ihn in die klapse. dort weint er immer wenn es regnet, und als es einmal 40 tage und nächte regnet stirbt er an dehydrierung. darauf kommt er in den himmel, bekommt hund und arm wieder, seine frau stirbt, sein ex-boss geht pleite, und auch alle anderen kritiker kriegen ihr fett weg. nette geschichte, aber mehr halt auch nicht.
ok, ich würde sagen ich habe zwei dinge dabei gelernt: meine meinung über johnny cash war schlechter als sie sein sollte, und die person an sich ist auch sehr interessant, aber bis auf einzelne lieder als ausnahmen (auf diesem album delia´s gone, tennesse stud und like a soldier) ist johnny cash nun auch nicht das, was ich mir von musik erwarte. trotzdem, danke julia und marc, mein musikalischer horizont wurde erweitert!




vor circa 3 jahren
Ja, siehste! Auch wenn du kein Fan geworden bist (noch nicht, muahaha), hat es sich immerhin gelohnt. Ich finde die religiösen Bezüge auch nicht so gut, aber da gibt es z.B. bei seinen Hymnen-Alben noch viel härtere Kaliber.
Country ist eben sehr viel facettenreicher als man das hierzulande vermutet, wo man praktisch nur mit Popcountry (Shania Twain) oder Deutschcountry (Tom Astor) konfrontiert wird. Und auch amerikanischer Mainstreamcountry ist nicht unbedingt das gelbe vom Ei (Garth Brooks, Martina McBride), aber da gibt es z.B. Altcountry (Ryan Adams) und noch ein paar Dutzend andere Stilrichtungen, die wirklich teilweise gute Musik bieten.
Ok, etwas vom Thema abgekommen, aber du wolltest ja deinen Horizont erweitern und Johnny Cash und Country und Erwartungen gehören da ja irgendwo auch rein
vor circa 3 jahren
vergiss nicht bosshoss, ich vermute dass ist heute eher der deutsche kontakt zu “country” als tom astor
vor circa 3 jahren
Nicht zu vergessen die Dixie Chicks:-)
So wie es aussieht kannst du Johnny Cash auch nur songweise und nicht albumweise anhören, genauso wie ich. Ab und zu eine Songperle ist wunderbar!
Ansonsten finde ich, verlangst du etwas viel Tempo und Temperament. Immer wieder erwähnst du, dass es etwas zu langsam ist. Ich möchte nur an sein Alter erinnern! Stell dir mal irgend einen Opa in deiner Nachbarschaft mit GItarre vor. Was die wohl spielen würden? Und Cash bringt dafür solche Lieder! Dann wirkt Cash gleich schon viel peppiger und moderner.
American Recordings ist ja nicht unbedingt sein Machwerk, als viel mehr fokussiert auf Coverversionen, von daher fehlt noch was. Vor allem seine peppigen Sachen von früher sind anders.
Mit dem starken religiösen Einschlag wusste ich allerdings nicht! Es wundert mich jedoch nicht, denn immerhin lebte er lange genug im Bible Belt der Südstaaten, da wird es schon Einflüsse geben.
Aber trotzdem klasse Bericht und vor allem Respekt für die intensive Auseinandersetzung!
vor circa 3 jahren
zu dem opa und dem tempo marc ein beispiel:
mitte der 90er habe ich die skatalites live gesehen. der saxophonist musste für die 3 kleinen stufen auf die bühne massive hilfe in anspruch nehmen – und dann spielte er 2 stunden lang schönen ska!
von daher, es geht