kolonienbanner
ich habe vor uhrzeiten mal eine serie angefangen, welche ich zu meiner schande noch nicht beendet habe, trotz des klar abgegrenzten themengebiets: deutsche kolonien (und ja, ich plane die serie in nächster zeit wieder anzugehen und abzuschliessen, vielleicht sogar die vorhandenen artikel zu erweitern). das thema interessiert mich, ist die deutsche kolonialgeschichte doch eine entscheidend andere als die anderer kolonialisten. bei meiner burgentour im juli diesen jahres waren wir in einer bonner buchhandlung, und da habe ich, unter anderem, ein buch zu eben dieser thematik gekauft: deutsche kolonien – traum und trauma.

und dieses buch hat es in sich, mehr als 450 seiten erscheinen erstmal eine wahre fundgrube an informationen zu deutschen niederlassungen in afrika, südamerika und asien, selbst die versuche früher deutscher kolonien und die verwickung deutscher personen in den kolonien anderer nationen werden behandelt. leider gibt es aber auch negatives, welches mir in dem buch auffällt: deutsche kolonienein sehr großes augenmerk wird auf die bewaffneten konflikte gelegt, stichworte wie herero-aufstand und ähnliches werden, im vergleich zu anderen ereignissen, sehr genau behandelt. auch wird der, defintiv vorhandene, rassismus und die unmenschlich harte behandlung der eingeborenen immer wieder stark betont, welcher aber, wie ich denke, in den deutschen kolonien nicht über das hinausging, was andere nationen in ihren kolonien für praktiken anwendeten (was die deutschen unrechte nicht zu recht macht, aber in den historischen kontext setzt). positive dinge, wie ziviler aufbau, man denke nur an eisenbahnen und bildungseinrichtungen, werden nur sehr stiefmütterlich behandelt, der name albert schweitzer, ja nun wirklich ein wichtiger name und positiver punkt in den deutschen tätigkeiten auf anderen kontinenten, kommt im buch nicht einmal vor. dafür werden der zeit nach dem ersten weltkrieg, also den kolonielosen zeiten der weimarer republik und des nationalsozialismus, mal eben die seiten 367 bis 451 “geopfert”, eine bilanz zu ziehen ist ja eine nachvollziehbare sache, vom askari mohamed husen zu hören war interessant und die nationalsozialistischen vorbereitungen für den tag, an dem deutschland seine kolonien zurückerhalten würde, sind definitiv ein paar seiten wert, aber diese teile nehmen ein zu großen raum ein im buch, raum der mit oben genannten versäumnissen besser gefüllt gewesen wäre.

dafür ist die aufmachung des buches erstklassig, die menge an fotografien, postkarten und gemälden ist erstklassig, ohne das buch zu einem bildband mit erläuterndem text zu degradieren. für stark interessierte am thema ein buch, welches sich lohnen dürfte, wer eine übersicht als einfachen einstieg ins thema sucht wird nach den ersten hundert oder zweihundert seiten immer mehr enttäuscht!