mannausapulieneine tante von mir hat mir ein buch geschenkt, sie wusste um mein starkes interesse an geschichte und hat mir die gebundene ausgabe von friedrich II – mann aus apulien mitgegeben. dsa buch ist verfasst von horst stern, welcher mir vorher nicht bekannt war, der sich aber laut wikipedia in verschiedenen journalistischen/schriftstellerischen bereichen betätigte, und ein besonderes augenmerk auf tiere legte. damit hat er ja schonmal etwas gemein mit friedrich II, welcher ja ein buch über zucht und nutzung von jagdfalken geschrieben hat, welches scheinbar bis in die heutige zeit als standardwerk gilt.

die geschilderte person ist natürlich hochinteressant: enkel von barbarossa, ein großer kaiser des heiligen römischen reiches (deutscher nation), befreier und könig von jerusalem, stupor mundi, chind aus pulle, ein naturwissenschaftler, ein verhinderer des politischen forschritts, ein papstgegner, ein haeretiker, ein exkommunizierter, ein freund der muslime, ein kreuzfahrer, ein sprachgenie … über diesen mann wurde unglaublich viel geschrieben, unglaublich viel gutes und ebensoviel schlechtes, und sicherlich ist ein großer teil davon der jeweiligen propaganda geschuldet! es würde wohl wenig sinn machen, das leben von friedrich II hier darstellen zu wollen, die entsprechende wikipediaseite ist lang und sei jedem ans herz gelegt, der sich auf diese weise informieren möchte über eine der interessantesten figuren des mittelalters, ich werde an dieser stelle mehr auf das buch eingehen, denn auch dies bietet einiges interessantes!

die idee von horst stern ist es, den kaiser in den letzten fünf jahren seines lebens eine art biographie schreiben zu lassen, und dabei durch seine augen zu schauen. nun ist die form des ich-erzählers ja auch in historischen romanen nicht ungewöhnlich, aber eine historisch belegte figur, besonders eine solch exponierte, dafür zu verwenden kann schon kritisch gesehen werden. ich selbst war mir die ersten seiten des buches nicht klar darüber, ob nicht tatsächlich ein solches schriftwerk geschrieben wurde, und überliefert ist. ich vermute dass weniger historisch interessierten menschen dies erst später, vielleicht sogar gar nicht auffallen würde, was aufgrund einiger nicht historisch belegbaren fakten im buch falsches wissen vermitteln könnte. die treffen und gespräche mit franz von assisi und albertus magnus beispielsweise, die im buch sehr spannend zu lesen sind, und einiges an inhalt transportieren, sind historisch nicht zu belegen.

ansonsten gelingt es dem autor, wie ich finde, in geradezu unglaublicher weise, die zerrissenheit des kaisers darzustellen. die kindheit im arabisch geprägten apulien und seine politische gegnerschaft zum papst gegen seinen christlichen glauben und seine kreuzfahrt, die naturwissenschaftliches denken in einer zeit des glaubens, sein politisch recht modernes königreich apulien gegen seine unterdrückung der norditalienischen städte, seine mediterrane prägung gegen seinen deutscher kaiserthron, …

betrachtet man das buch als das, was es nur sein kann, als ein “so könnte es friedrich der zweite gesehen haben, das würde zu dem was wir von ihm wissen passen”, dann hat man eine wahre schatzkammer in diesem buch!