die bibel & ich
nein, es geht zum glück nicht um mich, sondern um ein buch. genauer gesagt das zweite buch von a.j.jacobs, das ich gelesen habe. das erste buch von ihm war britannica und ich, in welchem er die gesamte encyclopædia britannica las, und bei diesem zweiten werk geht er einen schritt weiter: er nimmt die bibel und versucht ein jahr nach ihren regeln zu leben (solange er dafür in den usa nicht in den knast kommt). gleichzeitig besucht er andere religionsgemeinschaften, welche versuchen wörtlich nach der bibel zu lesen.
im gegensatz zum britannica-buch, geht es in diesem buch um einiges härter zu, ist für viele (und gerade amerikaner) der glauben, im gegensatz zu wissen, doch eine art tabu. man spricht schwerer über glauben als über wissen, einfach weil man über glauben viel weniger diskutieren kann. entweder man glaubt an etwas, oder nicht, beides ist nicht rational zu belegen.
a.j. ist jude, also beginnt er mit der hebräischen bibel, dem alten testament. er schreibt sich alle regeln und verhaltensvorschriften heraus, und fängt an danach zu leben: er lässt sein haupthaar und seinen bart wachsen und seine kleidung auf mischgewebe aus wolle und leinen untersuchen, betet mehrmals täglich und hält den sabbat ein. er sucht götzen, um sie zu zerschlagen, bestraft seinen sohn härter bei fehlverhalten, gibt den zehnten an bedürftige, opfert ein huhn, vermeidet körperkontakt mit frauen die unrein sind (also innerhalb der letzten 7 tage menstruiert haben), begrüßt den neuen monat mit dem blasen eines widderhornes, trägt helle kleidung, … – ja, all dies wird von der bibel vorgeschrieben! an manchen stellen wird man an jacobs erstes buch erinnert, teilweise führt er unsinnige regeln vor, welchen sinn macht es für uns heutzutage einer regel wie “koche ein kalb nicht in der milch seiner mutter” zu folgen? an vielen stellen aber kam ich ins grübeln, stellte fest dass eine regel sinn machte, vielleicht manch eine erst im übertragenen sinne, aber nur fundamentalisten glauben wörtlich an die bibel.
genau diese fundamentalisten aber besucht a.j.: er ruft bei den zeugen jehovas an und bittet um einen hausbesuch (lustig dass die zeugen damit erstmal ein kleines organisatorisches problem hatten, so etwas hatte noch niemand bei ihnen getan), er besucht ein kreationistenmuseum, nimmt an einem gottesdienst in einer mega-church teil, fährt nach jerusalem zu den orthodoxen juden, an die klagemauer, …
klar, es bleibt unterhaltungslektüre, keine religionskritik oder wissenschaftliche abhandlung über fundamentalismus, aber mit die bibel und ich lernt man etwas dazu über religion, und wird des öfteren vor die frage gestellt, wie man selbst zu religionen und ihren vorschriften steht – oder zumindest ihrem tieferliegenden sinn.



