stummfilm metropolis
ich habe letzten freitag metropolis auf arte angesehen, die live ausgestrahlte weltpremiere der bisher umfangreichsten rekonstruktion des monumentalklassikers. gut, es fehlen immer noch circa fünf minuten zu fritz langs original von 1927, und einige stellen hat es wirklich übel erwischt (erhaltungstechnisch), aber ich denke einen gesamteindruck kann man sich machen:
zuallererst – die story ist ziemlich scheisse! nicht falsch verstehen, die grundidee ist wirklich klasse: oben wohnen herrenmenschen und haben aufgrund der ausbeutung einer sklavisch unterdrückten arbeiterschaft ein super entspanntes leben. gut, das ist nichts besonders ausgefallenes, aber im kapitalistischen system wohl ein thema welches immer wieder vom zuschauer in seinen alltag transportiert werden kann, in den späten 1920ern genauso wie heute. dass der sohn des oberausbeuters sich in eine arbeiterfrau verliebt, welche unter den arbeitern als moralische instanz gilt; dass er alles tut um zu ihr zu kommen; dass ein android erschaffen wird, welcher das aussehen eben dieser frau bekommt, und der die arbeiter zur revolution aufstachelt – alles schon weniger interessant, aber noch halbwegs ertragbar. was mich ankotzte bei war metropolis war die moral, und das schon grenzdebile ende! die arbeiter revoltieren, sie wollen nicht länger ausgebeutet werden und zerschlagen die maschinen die sie knechten, und ertränken dabei scheinbar ihre eigenen kinder. also kommt die aufrührerin auf den scheiterhaufen, der sohn und die arbeiterfrau retten die kinder, der sohn rettet die frau und tötet den erschaffer des androiden -> und schon wollen der oberausbeuter und der arbeiterführer sich die hände geben, brauchen aber noch den mittler als hilfe -> den sohn, der die arbeiterfrau liebt. oder wie der film es sagt: “das mittler zwischen hirn und hand muss das herz sein”! wie scheisse im kopf muss man sein, um so etwas zu schreiben? es fällt kein wort (jaja, stummfilm, haha) über die zukunft von metropolis: wird die ausbeutung enden? wird der erwirtschaftete reichtum gerecht verteilt werden? nix, vollkommen egal, hauptsache der sohn liebt die frau, dann passt das schon alles! “los, zurück an die maschinen, die lieben sich, kann alles so weiter gehen!” – oder wie soll ich mir das vorstellen? was mir immer wieder in den kopf sprang, behaupteten nicht die nazis auch immer gerne sie wären der mittelweg zwischen kapitalismus und sozialismus, übersetzt in den film eben jener “mittler zwischen hirn und hand”?
dafür liefert der film technisch szenen ab, die man nur aufgrund der fehlenden farbe und sprache in seine wirkliche zeit einordnen würde! und entsprechend wird der film auch noch jahrzehnte später oft genug zitiert:
in der doku die arte nach dem film brachte, zeigten sie unter anderem eine szene aus “blade runner” (den ich scheinbar endlich mal sehen sollte), und alles was ich sah war die stadt metropolis in farbe und moderner. kein wunder, denn scheinbar wurden da gebäude fast nachgebaut, auf alle fälle stimmen auffällige architektonische merkmale fast genau überein. was mir allerdings auch ohne die doku aufgefallen wäre waren bilder die ich ohne computertechnik kaum für möglich gehalten hätte! man hatte damals tatsächlich die zeit mehrere leute die modellautos in der stadtansicht per stop-motion “fahren” zu lassen, das muss damals ewig gedauert haben, und heute kostet eine entsprechende szene einen 3d-künstler am pc vermutlich nur noch ein paar stunden. oder die massenszenen, damals mit mehreren 10tausend statisten realisiert, die macht der pc-typ heute dann halt nach dem mittagessen. ok, dafür würde er wohl länger brauchen, aber man muss sich mal überlegen dass zum zeitpunkt der veröffentlichung des filmes noch 14 (in worten vierzehn) jahre ins land gehen mussten bis überhaupt der erste wirkliche computer von konrad zuse (z3) gebaut wurde! und trotzdem sind in dem film die effekte die sich hinter effekten in jahre später gedrehten filmen nicht verstecken müssen.
und dann ist da noch der maschinenmensch, nicht nur dass die szene als der android das gesicht der arbeiterfrau bekommt technisch genau so als regenerationsszene bei doctor who hätte genutzt werden können (und ich musste extra nachforschen um festzustellen dass man nicht auf diese technik zurückgriff, aber es hätte optisch prima gepasst), nein, in seiner unfertigen form erinnerte mich der android ganz massiv an die cybermen aus doctor who, allein schon der rahmen um den kopf dürfte beweisen dass die briten in den 1960ern ein paar anleihen oder inspirationen aus den deutschen 1920ern geholt haben. ist doch auffällig, oder?
als fazit würde ich bestätigen, dass man metropolis gesehen haben sollte! halt nicht auf die story achten, einfach nur alle paar minuten “1927″ denken und mit offenem mund staunen was fritz lang da zaubern hat lassen!



