im dritten quartal diesen jahres soll es soweit sein – paradox interactive plant für dann die veröffentlichung des nachfolgers (der nachfolgerin?) ihres spieles mit der längsten lernkurve: victoria! oder anders betrachtet das unserer heutigen zeit zweitnächste spiel, denn victoria deckt die zeit der industrialisierung bis zur zeit der weltkriege ab, die spätphase des kolonialismus und imperialismus. also 1835 bis circa 1930, die hochzeit des victorianischen british empire, der entstehung des italienischen und deutschen nationalstaates, des great game in zentralasien, des wettlauf um afrika, des deutsch-deutschen krieges mit der kleindeutschen lösung an seinem ende, des ersten weltkrieges, des panslawismus, …

das großartige aber, neben dem hochinteressanten zeitfenster, ist dass victoria einen mir sehr sympatischen fokus setzt, nämlich weniger kriegerische konflikte und mehr politische und wirtschaftliche simulation. in anderen klassikern der schwedischen softwareschmiede waren das eher nebensächliche themen, wohl auch deshalb weil gerade ein umfassender politische teil eine ziemlich komplexes system benötigt, und nur victoria lässt mich nachschauen ob die jüdischen einwanderer, welche gerade in meiner westfälischen möbelfabrik als büroangestellte angefangen haben, politisch aufmerksam sind, wie stark sie zum aufruhr neigen, welche politischen themen ihnen gerade besonders wichtig sind, welcher politischen fraktion sie zuzuordnen sind, … im endeffekt wird jeder weltbewohner politisch simuliert, die infomenge in victora ist unglaublich groß. entsprechend schreckt das spiel anfänger oftmals erst ab, aber wer sich darauf einlässt es zu lernen wird mit einem meisterwerk mit hohem wiederspielwert belohnt.

und wer nicht bis zum herbst warten will, “victoria complete” (also inklusive der erweiterung “revolutions”) gibts bei gamersgate aktuell für 19.95€.