für viele menschen ist geschichte etwas, was weit zurück liegt, und nicht interessant ist, man hört dann sätze wie “ich interessiere mich mehr für gegenwart und zukunft”. kaiser, weltkriege, kolonialismus und solche begriffe sind für solche menschen längst vergangenes, urzeiten entfernt von ihrem leben; computer, frauenwahlrecht und demokratie gabs schon immer. mit einem kleinen rechenbeispiel will ich kurz zeigen, wie falsch diese menschen liegen, denn wenn wir ehrlich sind und auf generationen schauen ist die welt wie wir sie kennen eigentlich sehr jung. ich gehe bei meinen berechnungen einfach mal von einem generationenabstand von 30 jahren aus, eine zahl die abgesehen von der zeit der 60/70er eher zu klein als zu groß gewählt sein dürfte:

ich bin 1976 geboren, und in deutschland ist helmut schmidt der fünfte kanzler der brd. der kalte krieg ist weit davon entfernt zu enden, in deutschland herrscht noch die angst vor der raf, und apple veröffentlicht seinen ersten computer, den apple one.

mein vater wäre 1946 geboren, der zweite weltkrieg ist gerade beendet, brd und ddr exisitieren noch nicht. noch nie hat ein mensch den weltraum betreten, und indien beispielsweise ist noch britische kolonie. in japan dürfen erstmals frauen wählen. (eine generation entfernt)

mein großvater wäre 1916 geboren, das deutsche staatsoberhaupt ist natürlich der dritte kaiser des zweiten deutschen kaiserreiches, und wir befinden uns mitten im ersten weltkrieg – wie in europa, wird auch in den deutschen kolonien in afrika, asien und im pazifik gekämpft, und erstmals werden panzer zum einsatz gebracht! in deutschland leben noch rosa luxemburg und karl liebknecht, und hier wird auch erstmals von einem land die sommerzeit eingeführt. das große land ist osten deutschlands heisst russland, noch nicht sowjetunion, lenin sitzt noch im schweizer exil fest. (zwei generationen entfernt)

mein urgroßvater wäre 1886 geboren, staatsoberhaupt ist seit mehr als 10 jahren kaiser wilhelm I., und meine heimat gehört zum bundesland preußen im deutschen reich. der bayerische “märchenkönig” ludwig II. stirbt mysteriös im starnberger see. in südafrika wird johannesburg gegründet und in new york die freiheitsstatue eingeweiht. carl benz beantragt ein patent für sein erstes automobil. (drei generationen entfernt, die letzte generation aus der ich persönlich menschen kennenlernen durfte)

mein ururgroßvater wäre 1856 geboren, deutschland besteht noch aus einem “flickenteppich”, der durch den deutschen bund zusammengehalten wird, ein deutsches staatsoberhaupt gibt es also nicht. der krimkrieg, aus welchem sich preußen herausgehalten hatte, wird offiziell beendet, der sueskanal befindet sich irgendwo zwischen planung und baubeginn und in deutschland findet die weltweit erste ölbohrung statt. (vier generationen entfernt)

mein urururgroßvater wäre 1826 geboren, und in deutschland hat sich politisch nicht viel geändert. in spanien wird das letzte todesurteil der inquisition vollstreckt, und in deutschland leben noch goethe und beethoven. übrigens wird in diesem jahr auch das erste photo der welt geschossen! (fünf generationen entfernt)

mein ururururgroßvater wäre 1796, und deutschland ist noch das “heilige römische reich deutscher nation” unter dem römisch-deutschen kaiser franz II., dagegen ist napoleon noch oberbefehlshaber von armeen, an titel wie konsul oder kaiser für ihn ist noch nicht zu denken. (sechs generationen her)

die liste könnte man jetzt noch ewig weiterführen, ich denke mein gedanke ist klar geworden. ich meine, allein schon der punkt dass ich mich (und ich bin doch kaum älter als 30) an personen erinnern kann, welche unter dem ersten deutschen kaiser geboren wurden, zu einer zeit als deutschland gerade anfing kolonien an sich zu reissen, sollte ereignisse, die scheinbar lange lange her sind, einem etwas näher erscheinen lassen, oder?

das super bild habe ich bei imow gefunden