der ritter der könige
historische romane sind so eine sache. auf der einen seite bringen sie nahezu immer die meinung des autors und damit moderne ansichten in die geschichte, auf der anderen seite können sie menschen der heutigen zeit sehr viel einfacher zugang zu historischen ereignissen und zusammenhängen ermöglichen als “normale” historische quellen. ganz besonders gilt das natürlich für diejenigen bücher, welche nicht historisch belegte begebenheiten bearbeiten und einfach ein paar weniger wichtige figuren in dieses setting setzen, sondern sich direkt um wichtige persönlichkeiten der geschichte drehen.
und bei diesem buch spielte mir diese janusköpfigkeit einen besonderen streich: ich las das buch, und mir war nicht bewusst dass seine hauptfigur, der ritter william marshal, eine historisch belegte person war, und dass der autor angeblich sogar starke recherchen betrieben hat. eigentlich merkwürdig, ich hätte damit gerechnet dass ein ritter der unter vier englischen königen diente, teilweise in sehr gehobenen positionen, und sogar als regent für einen dieser könige agierte, solange dieser zu jung zum regieren war, mir in irgendwelchen quellen schonmal begegnet wäre, besonders da einer dieser könige der wohl berühmteste war, den england je hätte, nämlich richard löwenherz. komisch dass das buch noch nicht verfilmt wurde, die geschichte wäre bestens dazu geeignet, naja wenigstens taucht william marshall in shakespeares stück “king john” auf.
ich habe das buch also ohne all dieses wissen gelesen, und so sehr ich die hintergrundgeschichte und den schreibstil mochte, so sehr stieß mir die darstellung der hauptfigur auch böse auf. der konflikt zwischen frankreich und england in dieser zeit, die politik der königshäuser capet und plantagenet und die kreuzzüge, all dies macht die zeit um das jahr 1200 zu einer unglaublich spannenden und ereignisreichen ära, unglaublich viel stoff für schreiber historischer romane, und christian balling kann in diesem punkt wirklich überzeugen mit seinem buch. dafür ist die darstellung des william marshal schon unglaubwürdig positiv, sollte er auch nur ähnlich loyal, aufrichtig, mutig, gut, aufopfernd, gerecht, … (ewig fortsetzbare liste positiver charakterzüge vorstellen) gewesen sein, müsste alle welt ihn gehasst und als grauenvollen gutmenschen gehasst haben.
wenn man aber über diese unglaubwürdigkeit hinweg sieht, der schreibstil lässt einen die fast 400 seiten flüssig lesen, und man versteht dadurch absolut den konflikt england-frankreich, welcher ja über das mittelalter hinaus reichte, und auch die kolonialzeit noch stark prägte!



