rude boy
1978-79 kamen zwei britische filmemacher auf die großartige idee einen film mit der aufstrebenden punkband the clash zu drehen. eigentlich ja eine prima idee, aber nachdem ich den film gesehen habe kann ich die reaktion der band auf den fertigen film verstehen – sie ließen damals sogar badges mit der aufschrift “i don´t want rude boy clash film” produzieren.
die hauptfigur ray ist clash-fan und arbeitet in einem schäbigen sex-shop. irgendwie, der film lässt den zuschauer da im dunkeln, gelingt es ihm in kontakt mit den clash-bandmitgliedern zu kommen, und er fragt immer wieder ob er nicht als roadie bei ihnen arbeiten kann. als er beim legendären rock-against-nazi konzert im victoria park (gezeigt wird unter anderem das lied “white riot”, bei welchem jimmy pursey von sham69 bei the clash mitsingt) am rande der bühne steht hilft er die stromversorgung wieder herzustellen, und darf auf der folgenden tour als roadie mitfahren. und ab dieser stelle wird der film immer konfuser:
- bei einem der konzerte auf der tour werden zwei kids von älteren typen zusammengeschlagen, ray will dazwischen gehen und bekommt selbst gut was ab, warum erfährt man nicht
- ab hier sieht man ray in mindestens 50% der szenen mit einer bierflasche oder -dose in der hand
- zwischendurch wird eine rede von maggie thatcher gezeigt, in welcher sie eine stärkung der polizeikräfte fordert
- ein paar szenen scheinen eine komplett andere story zu erzählen, da geht es um 3 schwarze kleinkriminelle, die verhaftet werden. verrückterweise wird dieser handlungsstrang nie mit der handlung um ray und the clash verknüpft, oder auch thematisch verbunden. vermutlich soll die thatcher-rede auch zu dieser thematik gehören.
- interessanterweise wird auch politik immer wieder thematisiert, und im gegensatz zu the clash, vor allem joe strummer, hat ray kaum eine politische meinung, er gleicht in dieser hinsicht eher den unpolitischen oi-skinsheads, teilweise äußert er sich sogar antipolitisch
- anstelle von handlung gibt es dafür wirklich massenhaft aufnahmen von live-auftritten von the clash, von den 24 liedern im film sind ganze 3 nicht von the clash, und mehr als die hälfte sind von konzerten
- als letzte szene sieht man wie maggie thatcher zu “rudie can´t fail” vor downing street 11 vorfährt
vielleicht habe ich den film ja nicht verstanden, das will ich gar nicht ausschließen, aber ich habe die ganze zeit das gefühl gehabt eine art rohfassung zu sehen, als wenn der film noch vernüntig geschnitten werden müsste, als würden noch einige szenen fehlen, szenen die die handlungsstränge verbinden. in dieser fassung ist es mehr eine aneinanderreihung von clash-auftritten mit unsinn dazwischengeschnitten.
aber die konzertauftritte sind geil!




vor circa 1 jahr
Vielleicht war die Aussage des Films, dass es eine Nichtaussage gibt? Und dass alles eben keinen Sinn ergibt?!
Ich lese gerade England’s Dreaming, das sich am Rande auch um The Clash dreht. Der Film der Sex Pistols hat ja ein ähnliches Schicksal wie Rude Boy gehabt und war wohl einfach typisch für die Zeit.
vor circa 1 jahr
ich vermute wenn eine nichtaussage die aussage wäre hätte man das der band gesagt, und sie hätte nicht so reagiert.
aber dein “england´s dreaming” klingt interessant, wirds da en review bei dir geben?
vor circa 1 jahr
Ja, wird es. Ich weiß auch schon ziemlich genau wie ich das schreiben werde. Allerdings muss ich das Buch nach mittlerweile einem halben Jahr endlich mal fertig lesen.
vor circa 1 jahr
du hast defintiv einen leser, der sich über das review freuen wird! mal sehen, ich brauch eh wieder neuen lesestoff, …
vor circa 1 jahr
wenn man sich etwas mit punk und der ästhetik sowie der einstellung gegenüber mainstream-kultur und major-labels und major-studios beschäftigt und vielleicht auch noch zurück auf die französischen filmtheorien und aktionen der 60er jahre blickt, dann ist es nicht so sehr verwunderlich, dass es bei rude boy oder anderen punkfilmen nicht um runde filmgeschichten geht, sondern um die idee dahinter, um die negation der dominanten kultur und um die ursprüngliche schöpferische kraft in jedem von uns. “this is a chord. this is another. this is a third. now form a band.” springt auf und MACHT was, anstatt auf der couch zu sitzen und den anspruch auf gut konsumierbares zu erheben…
vor circa 1 jahr
hallo punk cinema. die franz. filmtheorien der 60er sagen mir nichts, ich schreibe ja auch im artikel dass ich den film vielleicht nur nicht verstanden habe – ich verlange auch keine einfach konsumierbare couch-kost, aber wenn man eine botschaft rüberbringen will, und das wollte the clash immer, ist es vorteilhaft wenn der angesprochene die botschaft zumindest entschlüsseln kann.
vor circa 1 jahr
Ich hab die Botschaft des Films auch nicht verstanden, habe ihn mit meiner Freundin angesehen und die kann eigentlich aus jedem Film der eine Botschaft trägt diese auch erkennen, aber langsam glauben wir, dass es keine gab.
vor circa 1 jahr
aber die konzert-aufnahmen belohnen einen trotzdem