burgentour juli 10
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wenn man eine woche urlaub hat, und das wetter zumindest einen tag mal nicht auf “total braten” steht, besteht ja geradezu die notwendigkeit den tag entsprechend zu nutzen. und da scheinbar jede burg in richtung rhein sich auf die bundesgartenschau 2011 vorbereitet musste ich diesmal in richtung osten aufbrechen – das ziel war diesmal also die wetterau in hessen – oder genauer gesagt in die geschichte der familie “von hagen und arnsburg”/”von münzenberg”!
wenn man sich die geschichte in kurzform durchschaut, liest es sich wie die perfekte region für eine tagestour: in römischer zeit bestand existierte in arnsburg ein kastell, welches scheinbar bis zur zeit der völkerwanderung bestand. um 1000 wurde dann in der nähe der kastellruine eine burg gebaut, welche die “familie von hagen und arnsburg” bezog. dieses stiftete 1150, auf dem gelände des kastells, ein benediktinerkloster, wofür sie von der abtei fulda den münzenberg erhielten, welcher damals unbebaut war. 1156 bezog die familie die neu gebaute burg auf dem münzenberg, und nannte sich ab da “von münzenberg”. 1174 wurde das benediktinerkloster aufgehoben, und 1197 zogen zisterzienser ein. kastell, burg und kloster direkt bei einander, und recht nah noch eine burg, was kann man sich mehr wünschen? (kleiner tip vorab, die antwort wird “schilder” lauten)
aufgrund der richtung, aus welcher ich anreiste, und meinem größeren interesse an der burg, fuhr ich, entgegen dem historisch korrekten ablauf, zuerst burg münzenberg an. nachdem die superengen spuren mehrerer baustellen auf der a45 meine fahrfertigkeiten aufs äußerste getestet hatten, landete ich im ort münzenberg, die burg war gut zu finden, ausreichend größer parkplatz, auf welchem ich sogar einen halbschattenplatz fand, kurzer und schattiger weg vom parkplatz zur burg, diese anlage gefiel mir schon bevor ich die burg erreicht hatte! am unteren tor der burg (wer sich orientieren will, eine karte in der wikipedia hilft) wollte der alte herr (durch welchen das wort “wortkarg” eine neue bedeutung für mich bekam) im kassenhäuschen 3,50€ von mir haben, als reinen eintritt. ich verstehe ja, dass der erhalt solcher anlagen massig geld verschlingt, aber wenn ich bei meiner ersten burgentour auf der marksburg 5€ für eine 50-minütige führung durch eine gut erhaltene und möblierte burg erhalte, finde ich die relation irgendwie nicht passend. bitte nicht falsch verstehen, ich bin eine stunde lang begeistert durch die burg münzenberg getrollt, hab dauernd was neuen interessantes entdeckt, und war auch auf dem zugänglichen östlichen bergfried oben drauf (der ausblick war ebenso klasse wie der wind stark), aber es ist halt “nur” eine ruine mit begehbarem turm und wehrgang, der rest der gebäude ist halt nur noch mauerstückwerk. aber genau da, in diesen mauerstücken, lässt sich unendlich viel entdecken!
sobald man die vorburg betreten hat bemerkt man wie vorzüglich diese angelegt ist: über die komplette länge der vorburg thront der wehrgang der kernburg über ihr, jede stelle der vorburg ist von dort mit armbrust- oder musketenfeuer belegbar, und der angreifer wendet der kernburg eigentlich durchgängig seine rechte seite zu, also seine schwert-, und nicht die schildseite – ein immenser vorteil für die verteidiger einer anlage im mittelalter. die vorburg ist nochmal geteilt, durch das mittlere tor mit entsprechendem mauerwerk, in welches wieder schießscharten eingelassen sind, teilweise sind diese sogar bereits für feuerwaffen optimiert. danach betritt man endlich durch das obere tor die kernburg. das obere tor selbst liegt im ursprünglichen gebäudeteil, bei welchem noch heute schöne arkaden zu sehen sind. dem tor gegenüber stehen die reste des falkensteiner baus, ab 1260 hatten die neuen besitzer der burg dieses neue gebäude erbaut, welches allerdings nur noch den beeindruckenden doppelkamin vorzeigen kann! die bereits aus guter entfernung zu burg ausmachbaren zwei bergfriede haben beide höhentüren, und der östliche der beiden türme ist, wie oben beschrieben, begehbar – und die innentreppe erinnert mich an einen alten film, ich glaube es war ein hitchcock-film. zusätzlich der über den großteil der burg begehbare wehrgang, burg münzenberg hat dem besucher defintiv etwas zu bieten!

entsprechend gut gelaunt fuhr ich dann weiter zum kloster arnsburg, und der davor befindliche waldparkplatz steigerte meine laune noch weiter – zu dumm dass man beim kloster mehrfach versuchen würde mir diese laune wieder zu zerstören! ein paar hundert meter vor dem pfortengebäude des klosters machte ich erst noch das oben zu sehende bild, auf welchem am horizont die zwei türme von burg münzenberg zu sehen sind, die strecke zwischen den beiden orten ist also wirklich gering. als ich durch das pfortenhaus kam, sank meine laune schon beträchtlich: dass das alte mühlengebäude gastronomisch genutzt wird ist ja ne prima sache (auch wenn die preise nicht gerade meinen geschmack trafen, mehr als 18€ für ein wiener schnitzel sind mir im gedächtnis geblieben, der rest der karte bestand aus so “normalem” essen wie schnecken, nein danke), aber zusammen mit den massenhaften parkplätzen in dem bereich, garniert mit vielen privat-schildern, machte das keinen so tollen eindruck auf mich. der eingang zur basilika ist durch einen formschöne alu-konstruktion mit geldhunger versperrt (in der gallerie zu sehen), welche sich ebenso null an das ambiente anpasst, welche der rest der anlage gut rüber bringt! der kriegsopferfriedhof im kreuzgang, auf welchem neben soldaten auch zwangsarbeiter und insassen aus einem arbeitslager beerdigt sind (teilweise gerade mal 6 wochen vor der deutschen kapitulation von ss und konsorten noch ermordet), strahlt eine schon fast bedrückende stille aus (solange die bauarbeiter aus der basilika eine wand weiter nicht brüllen und schreien), das brachte mich schon ins grübeln, immerhin liegen dort neben gefallenen deutschen soldaten auch menschen aus vielen der von uns damals überfallenen länder, genauso wie menschen die aufgrund ihrer politischen meinung oder jüdischen abstammung ermordet wurden, insgesamt 450 gräber, 128 mit unbekannten opfern. wie schlimm muss es für angehörige sein, wenn ein geliebter mensch nicht nur stirbt, sondern man auch keinen ort hat, an dem man den toten “besuchen” kann. ich bin persönlich kein mensch, der häufig die gräber meiner verstorbenen verwandten besucht, aber die möglichkeit zu haben empfinde ich schon als beruhigend.
die basilika ist, trotz der starken beschädigung, absolut sehenswert, die kapitellen und konsolen mit dem himmel direkt darüber macht was her. klar, in den überresten eines klosters geht es um was anderes als bei einer befestigungsanlage, aber als ruheort, zum gemütlichen entspannen in angenehmer atmosphäre lohnt sowas echt, in der hinsicht war meine reisereihenfolge doch gut gewählt. aber dann kam punkt, an welchem ich leuten vor dir stirn schlagen würde:
diese klosteranlage ist schon groß genug, dass man mal einen plan aufstellen könnte, aber wenn ich in der nähe meiner mit gastronomie ausgestatteten sehenswürdigkeit weitere sehenswürdigkeiten habe, dann stelle ich doch schilder auf, wo die leute hergehen sollen. beides fehlt im kloster arnsburg, beziehungsweise ist unsinnig aufgestellt: im durchgang des bursenbaus sind mehrere schaukästen, in denen beispielsweise ein schloss, eine blinder festmusiker und eine floristin werben, aber keine übersicht über die anlage, kein hinweis auf die burg oder das kastell! aber vor dem pfortenhaus steht ein (nur aus einer richtung sichtbares) hinweisschild auf einen weg durch den wald zu einer alten ausgrabungsstelle, welche ja burg oder kastell sein könnte. ich bin dem weg auch gefolgt – aber statt bei einer ausgrabungsstelle kam ich, nach ein paar brennesselfallen, einfach am anderen ende der anlage an der strasse raus, meine begeisterung ist wohl vorstellbar. genauer gesagt war ich so sauer, dass ich kastell kastell und burg burg sein ließ, und zum naheliegenden ort lich fuhr, um schnell was zu essen. meine pechsträhne hielt aber an, nen imbiss fand ich nicht, und die anderen läden machten fast alle um 14.30 zu – ich war natürlich pünktlich um 14:20 in der altstadt. also mit knurrendem magen wieder ins auto und zurück nach siegen.
war ne gute burgentour, hab schönes neues gesehen und nen tag spass gehabt! die bilder sind wie üblich drüben bei flickr zu sehen!



