gäbe es, analog zu einem seismographen, auch einen histographen, welcher bei historischen ereignissen ausschlägt, sähe man für deutschland besonders hohe ausschlagsspitzen am 09 november. und so wundert es nicht, dass obwohl der nationalfeiertag der bundesrepublik (nicht ohne grund) der tag der deutschen einheit ist, der 09. november immer wieder als “(schicksals-)tag der deutschen” bezeichnet wird. das traurige ist, leider sind die ereignisse in positiver wie negativer hinsicht bedeutsam, auf wikipedia gibts dazu ne gute liste, von daher will ich nicht einfach nur aufzählen was alles passiert ist, sondern mein augenmerk mehr auf die zusammenhänge und bewertung legen:

1848 – hinrichtung von robert blum: robert blum war ein deutscher republikaner (als das noch etwas positives war), und mitglied der nationalversammlung in der frankfurter paulskirche. dort war blum einer der führenden köpfe des demokratischen flügels, er lehnte (normalerweise) gewalt als weg zu einer demokratischen republik ab. erst als klar wurde, dass dieser weg nicht zum ziel führen würde, und die reolution abflaute, war er bereit gewalt anzuwenden, und ging dementsprechend nach wien, wo zu diesem zeitpunkt die wiener oktoberrevolution ausbrach. dort schloss er sich den verteidigern an, kommandierte eine kompanie – und wurde nach der kapitulation der revolutionäre gefangen genommen. gegen geltendes recht wurde der abgeordnete am 09ten november standrechtlich hingerichtet!

1918 – doppelte ausrufung der deutschen republik: der erste weltkrieg war für deutschland verloren, matrosen in kiel meuterten, der kaiser beging fahnenflucht und der kanzler gab eigenmächtig die abdankung bekannt, man kennt die geschichte. aber das verrückte an der sache ist, dass der spd-vorsitzende scheidemann die demokratische republik nur deshalb ausrief, um der ausrufung der sozialistischen republik durch den spartakisten liebknecht zuvorzukommen. der erste deutsche versuch der regierungsform, für welche sich robert blum eingesetzt hatte, begann also in einer situation der spaltung der linken arbeiterbewegung, was sich als großes problem erweisen sollte. die alten eliten, welche deutschland in diese situation gebracht hatten, ließen republikaner und sozialdemokratie an die macht, damit diese sich durch die notwendigen handlungen angreifbar machen würden für populistische propaganda von rechts und aus dem militär.

1923 – hitler-ludendorff-putsch: was dann auch 5 jahre später zum ersten versuch eben jener gruppierungen führte, die neue ordnung wegzuputschen. hitler als vertreter der extremen rechten, und general ludendorff versuchten es den italienischen faschisten unter mussolini gleich zu tun und mit einem “marsch auf berlin” die reichsregierung abzusetzen und selbst die macht zu übernehmen. diesen ersten versuch der machtergreifung schlug die reichswehr noch nieder, bis 1933 sorgten dann rechte kreise für immer stärkere akzeptanz für hitlers nationalsozialisten, welche dann, gemeinsam mit nationalistischen parteien, eine demokratisch gewählte regierung mit hitler als reichskanzler bilden konnten.

1938 – reichsprogromnacht: ab dem ersten tag ihrer machtübernahme diskrimminierten und verfolgten die nazis ihre gegner – sozialisten, demokraten, gewerkschafter, juden, … 1938 begann dann mit den damals euphemistisch “reichskristallnacht” genannten progromen, welche von oben gesteuert worden war, der holocaust. jüdische einrichtungen wurden angegriffen und zerstört, synagogen, friedhöfe, geschäfte, wohnhäuser, … und nachdem bisher hauptsächlich politische gegner und andere “gefahren” für das regime in konzentrationslager interniert worden waren, begann man nun auch damit juden dorthin zu verfrachten (im wahrsten sinne des in diesem zusammenhang ekeligen wortes).

1989 – mauerfall: dass hitlers regierung und der zweite weltkrieg 1945 und mit dem beginn der deutschen teilung endeten dürfte bekannt sein (ich sollte über dieses deutsche “oh nein, wir sind vereint, wir müssen irgendeinen weg finden wieder mehrere deutsche staaten zu haben damit wir uns wieder vereinigen können” einen beitrag schreiben), ebenso wie die wiedervereinigung mit dem mauerfall 1989 begann, und meine (und frühere) generation wird sich wohl auch noch an schabowskis pressekonferenz erinnern!

seien wir ehrlich, so bedeutsam der tag auch für unsere geschichte immer wieder war, würden wir einen nationalfeiertag wollen, an welchem irgendwelche irren einen nationalistischen putsch oder ein pogrom feiern? klar, man darf diesen leuten den tag nicht überlassen, aber als nationalfeiertag ist er durch hitler und konsorten unmöglich gemacht worden! oder sehe ich das falsch?